Die Stichprobe umfasste verschiedene Pflegemaßnahmen. Wir bezeichnen die an diesen Betreuungseinrichtungen beteiligten Personen (z. B. Grund- und Mitbetreuer, Familienangehörige, Pflegepersonal) als Pflegenetzwerk. Die Fälle variierten z. B. in Bezug auf die betroffenen Pflegekräfte, die Intensität der benötigten und bereitgestellten Betreuung und den Wohnbereich sowie das Geschlecht der Pflegekräfte, das formale Bildungsniveau, den Beschäftigungsstatus und die Arbeitszeiten. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Fälle wurden ausgewählt, um einen methodischen Vergleich zu ermöglichen. Da dieser Beitrag nur einen Teil der Projektergebnisse enthält (siehe auch Mairhuber und Sardadvar 2017a, 2017b), werden einige dieser Fallstudienmerkmale, aber nicht alle, als Teil der Ergebnisse diskutiert. Zu den Fällen gehörten nicht nur ältere Angehörige, die bisher im Fokus vieler Forschungen über beschäftigte Pflegende angehörige standen, sondern auch die Betreuung von Partnern, Geschwistern und schwerkranken Kindern (siehe Kröger und Yeandle 2013, S.

6). So verbirgt sich hinter dem Konzept der “Versöhnung” von Beschäftigung und Pflegearbeit, dass andere Lebensabschnitte auf der Strecke bleiben (siehe Jürgens 2009). Inzwischen gilt auch die Idee des “Ausgleichs” von Arbeit und Leben nicht, da Pflegekräfte möglicherweise bezahlte Arbeit und Pflegearbeit ausgleichen, aber nicht unbedingt die “Lebens”-Aspekte der “Work-Life-Balance” (siehe Ungerson und Yeandle 2005). Daher kann “Versöhnung” für einige Pflegekräfte in dem Sinne funktionieren, dass sie in der Lage sind, Pflege zu leisten, während sie erwerbstätig bleiben, aber die Frage bleibt, welchen Preis sie dafür zahlen. Nach österreichischem Zivilrecht sind Ehepaare rechtlich für den Unterhalt des jeweils anderen verantwortlich. Sie können diese Verpflichtung durch Bezahlung oder Erbringung von Dienstleistungen erfüllen. Unter bestimmten Umständen können Kinder für den Unterhalt ihrer Eltern rechtlich verantwortlich gemacht werden. In Vorarlberg können sogar Enkelkinder für den Unterhalt ihrer Großeltern verantwortlich gemacht werden. Nach den Sozialhilfegesetzen können Kinder in den meisten Provinzen unter bestimmten Umständen verpflichtet werden, sich an den Kosten der kommunalen Betreuung und der häuslichen Betreuung ihrer Eltern zu beteiligen. Der Bundesgerichtshof hat zahlreiche Entscheidungen über die Bedingungen getroffen, unter denen die vorläufigen Behörden verlangen können, dass angehörige sich an den Pflegekosten beteiligen. Wenn die Kombination von Beschäftigung und informeller Pflege nicht auf struktureller Ebene erleichtert wird, wie wir im vorherigen Abschnitt diskutiert haben, was bedeutet das dann für ihre Kombination auf individueller Ebene? In den folgenden Abschnitten untersuchen wir, wie beschäftigte pflegende Angehörige ihre Arbeit organisieren und erleben und leben im Rahmen und in Spannung mit dem österreichischen LTC-Regime und verbinden unsere Erkenntnisse mit dem aktuellen Stand der Forschung. Im Abschnitt Schwierigkeiten und Auswirkungen der Kombination von bezahlter und unbezahlter Arbeit argumentieren wir, dass eine “Versöhnung” derzeit kaum möglich ist, indem die Schwierigkeiten und Auswirkungen der Kombination von Beschäftigung und informeller Pflege analysiert werden.

Im Abschnitt Dimensionen des Verhältnisses zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit argumentieren wir, dass die empirischen Beziehungen zwischen Beschäftigung und informeller Pflege über die Idee der “Versöhnung” hinausgehen und ausgewählte Erkenntnisse darüber präsentieren, wie beschäftigte Pflegekräfte ihrer Arbeit im Zusammenspiel mit ihren Pflegesituationen Bedeutung zuschreiben. Trotz der Bedeutung der informellen Familienpflege für die österreichische LTC-Regelung richten sich die finanziellen Bestimmungen vor allem an pflegebedürftige Personen. Die direkte Unterstützung von pflegenden Angehörigen ist begrenzt und konzentriert sich nur eng auf die Bereitstellung praktischer Informationen und die Ermöglichung von Arbeitsunterbrechungen. Maßnahmen, die in den Jahrzehnten nach der Einführung der LTC-Leistung eingeführt wurden, unterstützen vor allem pflegende Angehörige bei der Arbeit, um eine Pflege zu gewährleisten (z. B. Deckung in der Kranken- und Rentenversicherung oder unbezahlter Hospizurlaub; siehe Mairhuber und Sardadvar 2017a, 2017b).